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Erdmännchen und die große Krise

23. August 2013

Ich weiß nicht, ob Ihnen bereits bekannt war, dass im inneren der Erde sogenannte Erdmännchen leben?

Eines Tages im Januar entsandten diese knudelligen Tierchen einen Späher durch eine Erdspalte hinauf an die Erdoberfläche, um zu erfahren, wie es sich denn dort leben ließe. Zurückgekommen, berichtete der Auserwählte von eisigen Winden, schlimmen Schneeverwehungen und einer kargen, kalten Landschaft, die kaum Leben zu beinhalten schienen. So erfreute man sich weiter tief unter der Erdoberfläche seines Daseins.

Bis etwa ein halbes Jahr die Neugier doch stärker wurde und man den gehörten Schilderungen plötzlich keinen rechten Glauben mehr schenken wollte. Und so begab es sich, dass sich erneut ein Späher auf den Weg machte. Als dieser an einem Juli-Tag auf die Erde sah, traute er seinen Augen kaum: Alles war voller blühender Pflanzen, Vögel sangen, die Sonne kitzelte angenehm die Nasenspitze und es war herrlich warm! So schön, dass er voller neuer Eindrücke die Zeit vergas und in der Sonne einschlief.

Endlich zurück bei seinen Artgenossen, die sich schon Sorgen gemacht hatten, berichtete er aufgeregt von seinen Erlebnissen! Die Erdmännchen waren ganz durcheinander. Und was geschah? Nichts! Sie entscheiden sich zu bleiben, wo sie waren!

Das ist auch der Grund, warum sie bis heute noch niemand je zu sehen bekommen hat!

Wo ich stehe und gehe, treffe ich fast nur noch auf Leute, die ihren Kopf nur einmal aus dem Erdloch gesteckt haben und seither nicht müde werden, das raue Klima zu beklagen:

Ob ich nun massenweise E-Mails mit Politiker-Witzen aus meinem Posteingang löschen muss, bei einem Arztbesuch nicht nur im Wartezimmer, sondern von Doktor selbst höre, wie schlecht es doch allen geht, weil sich keiner mehr traut, krank zu sein oder einfach nur die Zeitung aufschlage, den Fernseher anknipse oder das Radio einschalte.

Mal ganz ehrlich: In Deutschland ist „Jammern“ seit langem Fremdsprache Nummer Eins. Aber bei allem, was uns an „objektiven“ Nachrichten aus den Medien entgegenschlägt, stellt sich die Frage: Sind wir wirklich nur von äußeren Umständen abhängig? Haben wir selbst nicht auch einen gehörigen Anteil Eigenverantwortung an unserer Situation? Falls nicht, wozu sich dann überhaupt noch anstrengen? In diesem Fall sollten wir uns vielleicht einfach der Ohnmacht ergeben, den Umständen als Opfer hilflos ausgeliefert zu sein?

Auf Fernsehen und Zeitung verzichte ich aus diesem Grund in diesen Zeiten inzwischen weitestgehend. Auf Kommunikation nicht. Denn immer wieder trifft man dann doch den ein oder anderen Menschen, der sein Leben selbst in die Hand nimmt, der seine eigene Hochkonjunktur eingeläutet hat. Und das entschädigt für vieles: Denn es ist ein Beweis, dass es doch geht!

Von Jim Rohn habe ich gelernt, dass unser Leben nun mal aus vier Jahreszeiten besteht. Ebenso wie die Wirtschaft oder unsere Beziehungen! Da gibt es den Frühling, in dem wir beginnen, auszusäen, den Sommer, in dem wir alles pflegen und voller Vorfreude auf den Herbst warten, um zu ernten, damit wir über den Winter kommen! Ich weiß nicht, in welcher Jahreszeit Sie sich im Augenblick persönlich befinden, aber eines weiß ich sicher: Auf jeden Winter folgt ein Frühling!

Ich bin kein Freund des positiven Denkens! Das alleine bringt sicher nichts. Positives Handeln dagegen vermag eine Menge zu bewirken!

Wo aber gilt es anzusetzen? Sicher nicht an den unveränderlichen Gegebenheiten: Natürlich bin ich deprimiert, wenn ich tausende sterbender Vögel im Fernsehen sehe, die Nachrichten von schlechten Arbeitsbedingungen, bürgerkriegsähnlichen Zuständen, Steuererhöhungen oder Amokläufe sehe! Aber was davon werde ich allein durch meine Sorge ändern? Bestenfalls schlafe ich schlechter.

Handeln ist also angesagt: Aus unserem Leben wissen wir, dass es immer weitergeht – auch wenn wir wirklich schwere Krisen zu überstehen haben. Aber bislang folgte auf jede Talsohle immer wieder auch ein Berg. Ohne Täler gäbe es ja gar keine Gipfel. So wie auf jede Nacht wieder Tag folgt. Und auf jeden Winter ein Frühling. Bislang hat noch niemand das Phänomen eines „Doppelwinters“ entdeckt. Das Beste und Einzige,was wir tun können: Einfach nur weitergehen, der Rest folgt ganz von alleine.

Vielleicht ist gar nicht alles zu teuer, sondern wir können es uns nur (noch) nicht leisten? Möglicherweise stört uns die Steuer erst in dem Moment nicht mehr, wo wir dem Finanzamt einen Betrag von 500.000,– EUR ausstellen können, weil wir dann (etwas) mehr als das doppelte verdient haben müssen. Und was, wenn uns die Entlassung endlich die Gelegenheit gibt, allen Mut zusammenzunehmen und uns selbständig zu machen?

Jedenfalls ist einer meiner Lieblingssprüche: „Wer nie verloren hat, der weiß nicht, was gewinnen heißt!“

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